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ÜBER GERUSIJA

Warum Kollektiv Gerusija?

Gerusija ist ein links-orientiertes Kollektiv, das theoretisch, politisch und gesellschaftlich tätig ist. Entsprechend ihrer anti-kapitalistischen, marxistischen und feministischen Ausrichtung versteht Gerusija es als ihre Aufgabe, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Ausbeutung fundierter Kritik zu unterziehen, und bietet eine Plattform für Menschen, die mit unterschiedlichen Mitteln für eine Gesellschaft kämpfen, die nach den Bedürfnissen der Menschen und nicht des Markts und der Profitlogik organisiert ist. Gerusija arbeitet zusammen mit anderen gesellschaftlich engangierten Gruppen, darunter regionale linke Organisationen, Gewerkschaften, progressive studentische, feministische, künstlerische und andere Gruppierungen. Unser Kollektiv engangiert sich auf vielfältige Weise im gesellschaftlichen Raum: durch ökonomische, politische und gesellschaftliche Analysen, Organisation öffentlicher Debatten, Vorträge, Seminare, Schulen, Video-Aktionen und Unterstützung von Protestaktionen. Unsere Zeitschrift “Stvar – časopis za teorijske prakse“ [Das Ding – Zeitschrift für theoretische Praktiken] ist unsere wichtigste Publikation; sie wird jährlich veröffentlicht und enthält kritische Texte, Erstübersetzungen relevanter Texte zeitgenössischer Autoren und Interviews, die im Rahmen unserer aktuellen Projekte entstehen. Jede Ausgabe von „Stvar“ ist kostenlos und jede theoretisch-politische Aktivität Gerusijas öffentlich.

 

Kurze Geschichte Gerusijas

Gerusija wurde im Februar des Jahres 2005 zuerst als Klub der Studenten der Philosophie an der Philosophischen Fakultät in Novi Sad gegründet. Zweck des Klubs war sowohl den Studenten einen alternativen Bildungsweg durch Auseinandersetzung mit philosophischen Themen, die nicht in der Akademie vertreten waren, zu bieten, als auch die Kooperation zwischen Studenten auf regionaler und internationaler Ebene zu fördern. Zu den ersten Projekten Gerusijas zählen die Organisation der internationalen Konferenz Identität.Freiheit (Oktober 2005), die Veröffentlichung des gleichnamigen Sammelbandes (2006) und die Organisation der Debattenreihe Philosophische Gespräche im Bunker (Studentisches Kulturzentrum Novi Sad) von März 2006 bis März 2007. In diesem Zeitraum sammelte Gerusija eine neue Generation junger Autoren und Autorinnen um sich und schuf dadurch eine anregende philosophische Umgebung. Bis heute bietet Gerusija einen alternativen Bildungsweg, der aus dem akademisch-universitären Diskurs ausgeschlossene Theorien fokussiert. So organisierte Gerusija z.B. die Kleine Schule für Psychoanalyse (August – September 2006), sowie die internationale Sommerschule „Subjekt.net“ auf der Petrovaradin Festung in Zusammenarbeit mit Študentskim filozofskim društvom [Studentisch-philosophische Gesellschaft] aus Ljubljana (Аugust 2007). Es folgten die Konferenzen „Nihil.net“ (November 2007) und „FF – Lauteste Filmosophie“ (März 2008) im Jugendzentrum CK 13. Im Mai 2008 nahmen Mitglieder Gerusijas an der Schule des ersten Mai in Ljubljana teil. 2009 und 2010 organisierte Gerusija Lesekreise zu Foucault und Marx und eine Vortragsreihe im CK13, die neue Mitglieder in die Arbeit der Organisation involvierte. Im Februar 2010 wurde die erste Ausgabe der Zeitschrift Stvar veröffentlicht.

Gerusija nahm an der neuen Welle studentischer Proteste im Balkan teil. Durch ihre Texte über die studentische Bewegung (über Studenten in Zagreb 2009 und in Belgrad 2011) und ihr Engagement innerhalb der studentischen Szene in Novi Sad wurde Gerusija immer mehr zu einer politisch bewussten Organisation. Infolgedessen beschäftigte sich ihre theoretische Arbeit zunehmend mit der kapitalistischen Organisation gesellschaftlichen Lebens, der herrschenden neoliberalen Ideologie und dem Aufbau einer links-definierten theoretischen Grundlage. Damit wandelte sich Gerusija vom Klub der Studenten der Philosophie zu einem theoretisch-politischen Kollektiv.

Mitglieder Gerusijas organisierten im Jahr 2011 den Vortrag des ungarischen Philosophen, Publizisten und Politikers Gaspar Miklos Tamas in der Art Klinika (Kunstklinik) in Novi Sad. Im Jahr 2012 nahmen Gerusija-Mitglieder an der Konferenz über die gegenwärtigen Ideologiekritik, die am Institut für Philosophie und Gesellschaftstheorien stattfand, teil. Im selben Jahr kam es zu einer mehrere Monate langen Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen in der Gruppe für Eigentum, die sowohl in Novi Sad (im Raum des Studentischen Kultuzentrums) als auch in Belgrad (am Institut für Philosophie und Gesellschaftstheorien) organisiert wurde. Die Gruppe untersuchte und interpretierte den Begriff des Eigentums in den Werken von Hobbes, Hume, Rousseau, Prudon und Marx. Im Sommer desselben Jahres nahm Gerusija an der vom Zentrum für politische Emanzipationen organisierten Sommerschule „Die Linke“ in Fruška Gora teil.

Im Herbst 2012 begann Gerusija in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung die Vortragsreihe Einführung in radikale Theorien, die bis Mai 2013 andauerte. Dieses Programm hatte zwei Aufgaben: an erster Stelle stand das Ziel, eine politische Polarisierung in Novi Sad und Serbien außerhalb des Rahmens (nicht)existierender politischer Optionen zu erzeugen. Ein weiteres Ziel war es, der andauernden Pazifizierung der Theorie entgegenzutreten und radikale Theorien, die zu transformativen Prozessen in der Gesellschaft beitragen können, zu popularisieren. Zu diesem Zweck wurden öffentliche Debatten über die Geschichte alternativer gesellschaftlicher, ökonomischer und politischer Theorien, die Anwendung in der Analyse gegenwärtiger Formen gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ausbeutung finden können, organisiert. Die Vortragsreihe Einführung in radikale Theorien hatte daher das Format eines öffentlichen Bildungsprogramms, das sich hauptsächlich an studentische Gruppen richtete, aber auch allen anderen Menschen offen stand, die sich für kritische Gesellschaftstheorien und Politik interessieren. Im Rahmen dieses Projektes wurden zahlreiche Filme über Persönlichkeiten und Bewegungen, die für die Geschichte der Gesellschaftskritik bedeutend sind, zum ersten Mal ins Serbisch übersetzt. Das Projekt führte dazu, dass die renommierte ungarische Zeitschrift Ex Symposion Gerusija 2013 eine Ausgabe widmete, in der gemeinsame und individuelle Autorentexte, Interviews, sowie visuelle und poetische Werke von Gerusija-Autoren veröffentlicht wurden. Gerusija stellte daraufhin die Zeitschrift „Stvar“ und das Kollektiv Gerusija in Budapest vor. Im selben Jahr nahmen Mitglieder des Kollektivs an der Sommerschule „Dilemmas der modernen Linken“ in Fruška Gora teil.

Im Jahr 2013 engagierte sich das Kollektiv aufgrund der zunehmenden Anti-Arbeiter- Politik der serbischen Regierung, die ihren Höhepunkt im Vorschlag des umstrittenen Arbeitsgesetzes fand, mehr auf dem Gebiet der Arbeitsrechte. Da dieser Gesetzesvorschlag darauf abzielte, die Grundsozialrechte der Arbeitnehmer abzuerkennen, hat Gerusija im Zusammenschluss mit anderen Organisationen mehrere Debatten über das neue Arbeitsgesetz organisiert. Darüber hinaus nahm Gerusija an der Unterbrechung der „öffentlichen“ Debatte über den Gesetzesvorschlag in Novi Sad teil. Bald entstand auch eine Kooperation mit Gewerkschaften, die sich mit denselben Themen auseinandersetzten. Diese wurde mit der Unterzeichnung des Vertrags über Kooperation mit dem Bund unabhängiger Gewerkschaften Novi Sads (SSSNS) Ende Dezember 2013 formell gegründet.  Zusammen mit dem SSSNS und dem Jugendzentrum CK13 organisierte Gerusija eine Video-Aktion gegen das Gesetz, sowie Vortragsreihen und veröffentlichte Analysen und Texte über die Arbeitsgesetzgebung und nahm an öffentlichen Aktionen, Streiks und Protesten gegen das neue Arbeitsgesetz und andere Gesetzesmaßnahmen teil, die die Rechte der Arbeiter einzuschränken versuchten. 

Im Jahr 2014 führte Gerusija das Projekt zur Förderung politischen Bewusstseins „Die Linke in Serbien: Elemente für den Aufbau eines politischen Standpunkts“ durch. Innerhalb dieses Projekts sind neun Debatten realisiert worden:

im Januar – WAS WIRD MIT DEM ARBEITSGESETZ?;

im Februar – BOLOGNA-PROZESS UND HÖHERE BILDUNG;

im März – DIE ERFAHRUNG DES JUGOSLAWISCHEN SOZIALISMUS;

im April – TRANSITIONSPROZESSE IN POSTSOZIALISTISCHEN LÄNDERN;

im Mai – DIE STADT: DER PLATZ DES KLASSENKAMPFES;

im Juni – WEM GEHÖRT DIE EU?;

im September – ORGANISATORISCHE FORMEN: RICHTLINIEN FÜR DIE LINKE;

im Oktober – LINKER FEMINISMUS;

im November – GEWERKSCHAFTEN UND WIDERSTAND.

Mit diesem Programm versuchten unsere Mitglieder einen Beitrag zum Aufbau eines alternativen antikapitalistischen politischen Standpunktes zu leisten. Transkripte aller Vorträge des Projekts sind in der sechsten und siebten Ausgabe der Stvar zu lesen.

 

Wer sind Gerusijanner?

Andrea Jovanović, Đorđe Hristov, Ivan Radenković, Maja Solar i Saša Hrnjez.

 

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